Historische Romane und Fantasy

Kategorie: Geschichte

Leben im Mittelalter.

Bauen im Mittelalter

Mit Säge und Beil verwandelten Zimmerleute die runden Stämme in eckige Kanthölzer. Vor allem die Verbindungsstellen, im Fachjargon Verblattungen und Verzapfungen genannt, erforderten Geschick. Sie mussten exakt passen, damit das Haus auch stehen blieb. Wie einen Bausatz legte man am Zimmerplatz die Balken als Muster zusammen und nummerierte die Hölzer. Am Bauplatz richtete man diese auf (daher das Richtfest) und befestigte die Verbindungen durch hölzerne Nägel. Die Gefache, die Zwischenräume der Hölzer, die dem Fachwerk ihren Namen geben, füllte man mit einem Astgeflecht und mit Lehm aus.

Für Burgen und Stadtmauern, deren Hauptaufgabe der Schutz war, arbeiteten Maurer und die Helfer (Männer UND Frauen) mit Steinen und Mörtel. Wuchsen die Mauern über Brusthöhe, kamen Auslegegerüste und Hebevorrichtungen für das Material zum Einsatz. Für Auslegergerüste mauerten die Bauleute in Abständen von ca. 1,5 m Hölzer ein, die entweder nur auf einer Seite oder außen und innen aus der Wand herausragten. Sobald diese Hölzer durch darüber gemauerte Schichten belastbar waren, belegte man sie mit Dielen und nahm sie als Arbeitsplattform. Nach der Fertigstellung sägte oder schlug man die Hölzer ab. An einigen mittelalterlichen Bauten sind solche Rüstlöcher noch deutlich sichtbar. Kleine Quader wurden in Körben hochgezogen, große einzeln am Seil befestigt. Etwa um 1200 half die Steinzange dabei, deren Arme den Quader seitlich festklemmten. Damit sie sicher greifen konnte, mussten in die Quaderfronten Löcher geschlagen werden. Diese Zangenlöcher kennzeichnen noch heute mittelalterliches Mauerwerk. Mauertreppen und Erker wurden gleich mit hochgemauert. Maurer und Zimmerleute arbeiteten sozusagen Hand in Hand.

Das Wohnen im Mittelalter gestaltete sich je nach Schicht und Vermögen unterschiedlich. In Band 1 meiner Henkersweib-Reihe wohnten Runhild und Meinulf in einem 1-Zimmer-Apartment: Bett, Kochstelle, Tisch mit Bank, Truhen und Regale. Später hatten sie ihr Gemach, klein und fein, im Burgmannenhaus ihres Vaters und teilten sich mit den anderen die Stube. Auch die Küche war separat und Runhild konnte sich eine Kammer für ihre Kräuter einrichten. In Band 3 leben sie in einem Haus mit einem anderen Paar und Gesinde, sozusagen als Wohngemeinschaft. Unten wohnen die Bediensteten, im oberen Geschoss die Edlen. Die Küche verfügt über einen in den 1230ern äußerst modernen Kachelofen, der die Stube mit erwärmt. Oft lese ich, dass in Bauernhäusern alle in einem Raum lebten. Nun, was spricht dagegen, dass Zwischenwände aus Flechtwerk mit Lehm eingezogen waren? Also ich kann mir das sehr gut vorstellen.

Seherin

Starten wir mit der Hexe: Vermutlich stammt das Wort „Hexe“ aus der Zusammensetzung zwischen Hag (Umzäunung, Hecke, Zaun) und Zussa (Geist, Elfe, Dämon, Sitzerin, Reiterin). Die Hexe ist somit eine Zaunreiterin / ein Heckengeist. Die Hecke ist die Grenze zwischen dem Wohnbereich und dem Außen. Nebenbei: Unsere Vorfahren hatten um ihre Höfe gerne Dornenhecken, da kam so leicht niemand durch. Ursprünglich war die Hagazussa sowohl eine Frau als auch ein Geist / magisches Wesen, die Dise zusätzlich eine Göttin. Die Hagedise ist also die Göttin, der weibliche Geist oder die Herrin der Umzäunung. Einige Theorien sehen hier eher eine schamanisch-magisch Wirkende. Der „Hag“ ist die Grenze zwischen dem Alltäglichen und der Anderswelt, die Hexe jene, die in beiden Welten zuhause ist.

Bis zum Beginn der Hexenverfolgung im 15. Jahrhundert (also am Ende des Mittelalters) glaubten die Menschen, dass Hexen (w/m/d) sowohl zum Wohle als auch zum Schaden wirken könnten. Danach lehrte man ihnen das Fürchten mit der Vorstellung Hexen seien mit dem Teufel verbunden und hätten es auf die herrschende Ordnung und Religion abgesehen.

Sicher habt ihr, die ihr euch auch für Geschichte interessiert, bereits von Seherinnen gehört. Der Römer Tacitus erwähnt z.B. Veleda aus dem Stamm der Brukterer oder Albruna, deren Name so viel wie „die mit dem (Geheim-)Wissen der Alben“ bedeutet. Er erzählt von Divination mittels Stäbe, womit er Runen gemeint haben dürfte. In der Edda, die im Hochmittelalter von Snorri Sturluson niedergeschrieben wurde, finden wir die Völuspá (altnordisch: Völva = Stabträgerin): Das Lied der Seherin. Die Griechen hatten Kassandra und ihr Orakel von Delphi. In der Neuzeit haben wir die Französin Marie-Anne Lenormand (1772-1843) oder Baba Wanga (1911-1996). Nicht zuletzt war auch die Schamanin von Bad Dürrenberg, über die der Archäologe Harald Meller zusammen mit Kai Michel in dem Buch „Das Rätsel der Schamanin“ berichten, eine Seherin.

Doch wie genau definiert sich eine Seherin? Kurz gefasst: Eine Seherin kennt verschiedene Methoden zum Weissagen, in die Zukunft zu schauen oder Hinweise für die Lösung eines Problems zu geben. Das kann mittels Knochen, Runen, Karten, Vogelflug und anderem sein. Aber auch durch Trance, bei der sich die Seherin mit der geistigen Welt verbindet / die Geister um Antworten bittet. Sie nimmt sich selbst dabei zurück und öffnet sich für die Wahrnehmung. Die Trance kann durch Trommelschläge, Tanz oder Gesang/Mantra tönen herbeigeführt werden (Substanzen jedwelcher Art sind böse, nicht hilfreich). Hierbei vereint sich sehr tiefe Entspannung mit hoher Konzentration auf das Ziel / die Frage bzw. Antwort. Die Stammesfürsten waren klug genug, auf die Seherinnen zu hören.

Kommen wir zur Schamanin: Na, wer denkt jetzt nur an die Urbevölkerung ganz weit im Westen oder Osten? Erwischt. Schamanismus ist auch heute und auch hier in Europa lebendig. Es ist die älteste Heilmethode im Einklang mit der Natur, physisch wie geistig. Die Schamanin oder der Schamane ist in der körperlichen und der geistigen Welt zuhause. Ein anderes Wort für Schamanismus ist Zaunreiten, denn der Zaun grenzt das Hier und Jetzt vom Andersweltlichen ab. Um diese Grenze zu überschreiten, braucht es die Trance. Durch Trommeln, monotonen Gesang, Tanz u. ä. kann dieser Zustand erreicht werden, der von der Hirnfrequenz her dem gleicht, was wir ganz kurz vor dem Einschlafen durchlaufen. Auf diesen Trancereisen kann die Schamanin ihre geistigen Verbündeten um Hilfe oder Rat bitten, verlorengegangene Seelenanteile zurückholen und anders mehr. Doch das ist nur ein Teil dessen, was zu dem Können und den Aufgaben einer Schamanin gehört.

Historisch belegt sind Seherinnen nicht nur aus der Antike (z.B. Cäsar, Tacitus), sondern auch für spätere Zeiten. Dort, wo 772 der Frankenkönig Karl die Irminsul zerstören ließ, wachte eine Priesterschaft, über die ich in meinem Roman „Der Stab der Seherin“ berichte. Verdrängt und verboten durch das Christentum, mussten jene, die mittels Trance in die geistige Welt eintauchen konnten, im Verborgenen wirken. Einzig anerkannte Prophetinnen wurden geduldet, z.B. Hildegard von Bingen oder Johanna von Orlean.

Die Hauptfigur meines 2024 erschienenen Romans ist eine Wala, eine Schamanin, wie die berühmte Schamanin von Bad Dürrenberg. Nein, das hat absolut nichts mit Teufelsanbetung und ähnlichem zu tun. Schamanismus ist eine uralte Naturreligion (leben im Einklang mit der Natur) und wird weltweit praktiziert mit dem Grundsatz: Alles ist beseelt. Also nicht nur Tiere und Menschen, sondern auch Pflanzen, Orte, Dinge. Das führt (sollte es zumindest) zu einem respektvollen Umgang mit allem, was ist. Die meisten denken bei dem Thema an die Seelenreise / den Seelenflug in Trance: Vollkommene Konzentration bei sehr tiefer Entspannung. Überschreiten Schamaninnen / Schamanen / schamanisch Praktizierende die Grenze zwischen Alltags- und geistiger Welt, wirken sie für sich und (nach Absprache) andere zum Wohle: geistige Heilung, Hausreinigung, Divination, Extraktion, Seelenteilrückholung… Der enge Kontakt zur Natur verbindet so viel tiefer mit der Umwelt. Unrat in die Natur werfen beispielsweise, ist daher absolut undenkbar.

Spielleute

In meinem Roman „Spielweib“ geht es – natürlich – auch um Spielleute.

Sie waren frei, hatten jedoch kaum Rechte. Sie lebten von dem, was ihnen die Menschen gaben: Münzen, Lebensmittel oder abgetragene Kleidung. Viele Spielleute waren ursprünglich Kleriker.

Die Leute sahen und hörten ihnen begeistert zu, waren sie doch eine sehr willkommene Abwechslung zum Alltag und brachten Neuigkeiten mit. Passierte jedoch etwas, wie ein Diebstahl oder ein Mord, verdächtigte man gleich das fahrende Volk.

Die Frauen der Spielleute konnten diesem Leben entkommen, nahm man doch an, sie hätten dieses ehrlose Dasein nicht selbst gewählt oder seien verführt worden.

Wie es ist, ein Henker zu sein

Um jemanden zu finden, der für Geld wehrlose Menschen tötete, „überredete“ man einen Sträfling dazu oder legte ein Richtschwert gut sichtbar auf einen öffentlichen Platz. Wer es berührte, war der neue Henker, er und seine Familie damit ehrlos.

Er durfte keinen Grund erwerben, kein öffentliches Amt bekleiden, stand in der Kirche ganz hintern. Durch auffällige Kleidung von weitem erkennbar, konnten ihm ehrbare Leute aus dem Weg gehen. Man durfte ihn nicht berühren, zuwinken, zuprosten oder etwas anfassen, was zuvor von ihm berührt wurde, um nicht selbst ehrlos zu werden. Im Wirtshaus hatte er seinen eigenen, kleinen Tisch mit angekettetem Becher.

Er verdingte sich zusätzlich u.a. als Totengräber, Abdecker, Kloakenreiniger oder durch seine medizinischen Erfahrungen auch als Wundarzt. Man glaubte schließlich, dass die strafende Hand auch heilen konnte. Zudem verkaufte er Glücksbringer, wie Knochen, Blut oder Zähne Hingerichteter oder Teile von Strick oder Galgen.

Sein Haus außerhalb oder an der Stadtmauer verfügte über ein eigenes Bad, da er nicht ins Badehaus durfte. Von jedem Marktstand erhielt er kostenlos so viel, wie er mit beiden Händen halten konnte. Um Berührungen zu vermeiden, schnitzte der Henker daher eine händeförmige Kelle.

Heiraten konnte er nur die Tochter eines anderen Henkers oder Abdeckers. Oder eine verurteilte Missetäterin, die dadurch begnadigt wurde. Allerdings zogen zahlreiche Frauen den Tod einer Heirat mit dem Henker vor.

Gerichtsbarkeit im Mittelalter

Die hohe Gerichtsbarkeit urteilte bei Mord, Totschlag, Raub, schweren Diebstahl, Vergewaltigung, Hexerei und Kindesmord. Das Todesurteil unterschied sich nach dem Verbrechen (z.B. für Kindsmörderinnen das Ertränken, für Vergewaltigung der Feuertod oder für Mord das Rädern) sowie nach der Person des Verbrechers. So galt das Enthaupten lange als eine privilegierte Hinrichtungsmethode für Adelige, die nur von Standesgenossen verurteilt werden konnten, und Freie.

Die niedere Gerichtsbarkeit -bestehend aus Landständen, Adlige, geistliche Stifter oder Stadträte- richtete über geringere Straftaten und private Streitigkeiten wie z.B. unrechtes Maß und Gewicht, Störung des Friedens, Schulden, Erbschaft, Besitzrechte und kleine Diebstähle. Diese Urteile waren Geldbuße oder leichtere Leibstrafen, wie Prangern, Tragen des Lästersteins, Schandpfahl, Auspeitschen, Brandmarken oder Verstümmeln von z.B. Finger, Ohr oder Zunge. Gerichte fanden nie an Feiertagen statt und dauerten von Sonnenaufgang bis mittags. Ein Richter saß 12 Schöffen vor, verkündete das Urteil und achtete auf dessen Vollstreckung. Das ganze Verfahren inkl. Strafvollzug fand öffentlich im Freien oder bei geöffneten Fenstern statt.

Elisabeth von Thüringen

1207 geb., wurde die ungarische Prinzessin mit 4 Jahren Ziehschwester der Töchter und Söhne des Landgrafen von Thüringen. Sie sollte den ältesten Sohn, Hermann, ehelichen, doch dieser starb sehr jung.

1217 beerbte Ludwig mit 17 Jahren den Vater. Nachdem Elisabeths Mutter gewaltsam zu Tode kam, wurde der zweite Teil der Mitgift nicht gezahlt und einige forderten, Elisabeth zu verstoßen.

Ludwig heiratete 1221 dennoch die 14-jährige Elisabeth. Die Zwei waren nahezu unzertrennlich. Er unterstützte sie in ihrem frommen Tun und gründete mit ihr 1223 ein Hospital in Gotha. Früh nahm Elisabeth die Ideale des Franz von Assisi -Armut, Gehorsamkeit, Keuschheit- an, unterstützt von ihrem ersten geistigen Berater, dem franziskanischen Laienbruder Rodegar. Sie pflegte Kranke, gab reichlich an Bedürftige, wusch Tote, was im Adel auf Ablehnung stieß.

Sie gebar drei Kinder: 1222 Hermann, 1224 Sophie, 1227 Gertrud

Anfang 1226 gründete sie ein weiteres Hospital am Fuße der Wartburg. Kurz darauf nahm Konrad von Marburg Rodegars Stellung ein. Ehe Ludwig 1227 dem Kreuzzug des Kaisers Friedrich II folgte, gelobte sie, falls er vor ihr starb, ihrem Beichtvater gegenüber unbedingt und uneingeschränkt gehorsam sowie immerwährend keusch zu sein. Hätte sie sich das doch besser überlegt. Ludwig starb im September 1227 an einer Infektion, was ein tiefes Trauma in ihr auslöste. Ihre Worte, als sie von seinem Tod erfuhr, sind überliefert: „Wenn nun mein Bruder gestorben ist, so ist auch für mich die Welt gestorben.“

Nun hatte Konrad von Marburg, inzwischen der gefürchtetste Inquisitor seiner Zeit, die vollkommene Kontrolle über Elisabeth und allem, was ihr gehörte. Der Konflikt eskalierte offen. Ludwigs Bruder, Heinrich Raspe, übernahm sogleich die Regentschaft, den Vormund für den 5-jährigen Hermann und die Verfügungsgewalt über die Ländereien und Einkünfte der Witwe.

Elisabeth wies ihr Wohnrecht und ihren Platz an der Adelstafel zurück und lebte lieber unter entwürdigenden Umständen, u.a. im Schuppen eines Wirtshauses. Die Menschen begegneten ihr darauf mit Unverständnis und Hohn. Auch jene, denen sie zuvor geholfen hatte.

Konrad von Marburg erstritt gegen ihre Schwager Heinrich und Konrad eine Entschädigung über 2000 Silbermark und, zur lebenslangen Nutzung, Ländereien bei Marburg, wo Elisabeth 1228 ein Hospital gründete. Sie wohnte in einem Haus mit der strengen Witwe Hedwig von Seebach, die alles dem Priester erzählte, jedoch nicht so ärmlich, wie der Fund eines Kachelofens -damals ein Luxusgut- bei Ausgrabungen neben der E-Kirche beweist.

Sie radikalisierte sich zunehmend, umging jedoch Konrads Einschränkungen der Fürsorge geschickt. Die Gräueltaten ihres Beichtvaters, auch Elisabeth gegenüber, sind hinreichend bekannt und sicher mit Schuld an ihrem frühen Tod, auf den sie in ihren letzten Jahren u.a. durch engen Kontakt zu Infektiösen hingearbeitet zu haben schien: Er schlug sie blutig, nahm ihr die drei Kinder weg, verbot ihr den Umgang mit ihren letzten Vertrauten Guda und Isentrud von Hörselgau, die sie dennoch heimlich traf.

Elisabeth starb am 17. Nov. 1231 nach 10-tätiger Krankheit mit 24 Jahren. Sogleich strebte Konrad von Marburg die Heiligsprechung an und wies die Ansprüche des Johanniter-Ordens aus Wiesenfeld (Burgwald) zurück, denen Elisabeth im Falle ihres Ablebens das Hospital zugesagt hatte. Seine beiden Anträge vor der Kommission scheiterten, erst 1235 erreichten Heinrich und Konrad (Raspe) von Thüringen die Heiligsprechung.

Ernährung im Mittelalter

Die Ernährung richtete sich nach der Jahreszeit und dem, was auf dem Feld an Getreide, Gemüse, Obst oder im Wald als Wildgemüse, Kräutern, Nüssen, Wurzeln geerntet werden konnte. Der Adel ließ sich Lebensmittel auch aus dem Ausland importieren. Gesüßt wurde mit Honig und es gab einige Methoden der Konservierung von Lebensmittel.

Die Bevölkerung ernährte sich, wie man heute weiß, wesentlich gesünder: kaum Zucker und sehr selten Fleisch. Bei den Reichen und Adeligen, die viel Fleisch zu sich nahmen, war Gicht eine „beliebte“ Krankheit. Das erfuhr ich auch in einem Kräuterkurs, als es um den Giersch und dessen Wirkungsweise ging. Kräuter wurden in der Volksheilkunde und in der Küche oft und gern verwendet. Die bekannteste Kräuterbuch-Autorin im Mittelalter war Hildegard von Bingen.

Gerne wird erzählt, dass die Menschen nur Alkoholisches getrunken hätten, da das Wasser generell schmutzig / giftig gewesen sei. Nein. Sie tranken hauptsächlich Wasser, aber auch ein damals wesentlich schwächeres Bier oder pressten sich Obst zu Saft. Wein kam eher bei den „Höheren“ auf den Tisch.

Um einen Teil der Vielfalt zu zeigen, hier eine Liste mit Lebensmitteln, die es damals in unserer Gegend gab:

Getreide: Gerste, Weizen, Hafer, Hirse, Dinkel, Emmer, Einkorn, Roggen.

Gemüse: Kohl, Schalotten, Sellerie, Zwiebeln, Knoblauch, Rüben, Lattich, Erbsen, Pastinak, Spinat, Gurken, Lauch, Bohnen.

Wildgemüse (zubereitet z.B. wie Spinat): Löwenzahn, Feldsalat, Sauerampfer, Brennnessel.

Obst: Äpfel, Birnen (beides als kleinere Wildform), Zwetschgen, Kirschen, Pflaumen, verschiedene Beerenarten, Trauben, Nüsse.

Hygiene im Mittelalter

Werden in Filmen die Leute immer dreckig gezeigt, schüttle ich den Kopf. Zunächst einmal: Die Menschen waren davon überzeugt, dass Sauberkeit und Wohlgerüche Krankheiten fernhalten.
Gerne werfen sogar in Dokus die Städter ihren Unrat einfach aus dem Fenster. Doch das ist inzwischen widerlegt, denn für die Entsorgung gab es strenge Regeln.

Die Körperpflege war ihnen sehr wichtig. Sie nutzten dafür die Wasserschüssel, Seife (unterschiedlich hergestellt) und Lappen. Auch badeten sie in Flüssen oder Bächen, die Scham voreinander, wie sie heute üblich ist, war ihnen fremd.

Mit den Stadtgründungen im Hochmittelalter eröffneten die ersten Badestuben. Ihr Angebot bestand aus: Waschen, Haare schneiden, Rasieren, Massagen und medizinische Behandlungen. Sie setzten dem Bad Kräuter zu, denn sie wussten um deren reinigende und desinfizierende Wirkstoffe, auch, wenn Saponin und ätherische Öle noch nicht bekannt waren. Bei der Gelegenheit: Die Krüge auf entsprechenden Gemälden enthalten keinen Wein, sondern in Wasser aufgelöste Seife. Ein kleiner Trick: Meine Haarseife tauche ich vor der Benutzung für kurze Zeit in die Wasserschale, das Seifenwasser schütte ich mir zu Beginn der Haarwäsche über den Kopf. Fürs Duschen nehme ich übrigens auch Seife, so spare ich viel Plastik und komme nur mit wenigen Inhaltsstoffen in Kontakt. Duschen wie damals ist halt doch clever.

Zahnpflege: Sie entfernten Speisereste mit Zahnstochern und reinigte die Zähne mit einem Lappen (vermutlich mit Zusatz). Auch kauten sie aromatische Kräuter und Hölzer zur Mundhygiene.

Noch ein Aufräumen mit beliebten Irrtümern: Bereits die Germanen reinigten sich in warmen oder kalten Bädern mit Seife. Lästige Körperhaare entfernten sie mit einer Pinzette und Geräte zur Nagelpflege und Ohrlöffel hatten sie ebenfalls. Ihnen haben wir auch die Erfindung der Seife und der Haarbürste zu verdanken. Tja, die „Barbaren“ waren sehr reinlich.